In Bonn stand am Montag unter Tiermedizinern, Pharmakologen, Biologen und Internisten die Rolle der Leistungsförderer in der Tiermast auf dem Prüfstand. Schnell wurde klar, dass das Ausmaß des Risikos für den Menschen nur sehr schwer abzuschätzen ist. Der Direktor des Leipziger Institutes für Pharmakologie, Fritz Rupert Ungemach, warb eindringlich dafür, zwischen der Anwendung der Antibiotika als Tiermedikament und als Futterzusatzstoff zu unterscheiden. Wenn ein Tier erkrankt sei, müsse es auch mit einem Antibiotikum behandelt werden können, denn "gesunde Lebensmittel können nur von gesunden Tieren kommen."
Doch Ungemach kritisierte, dass viel zu häufig ganze Rinder-, Schweine- oder Geflügelbestände wochenlang antibiotisch gehandelt würden, nur weil einige der Tiere mit einem Keim infiziert, aber noch nicht daran erkrankt seien. Auch der Tierernährungs-Professor Josef Kamphues von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover prangerte diese gängige Praxis an. Es könne nicht nach dem Motto verfahren werden: "Ich kenne den Keim noch nicht, aber ich behandele ihn trotzdem." Auf diese Weise züchte man regelrecht resistente Bakterienstämme heran.
Bereits sechs antibiotische Leistungsförderer seien seit 1997 verboten worden, weil der Beweis erbracht worden sei, dass Resistenzgene von Masttieren auf Infektionserreger beim Menschen übertragbar seien, berichtete Gerhard Greif vom Bundesverband für Tiergesundheit. Kamphues hob hervor, dass in den vergangenen fünf Jahren die Vergabe von Antibiotika auf ein Zehntel zurückgegangen sei. Auf die Frage, ob das von Verbraucherschutzministerin Renate Künast geforderte generelle Verbot von Leistungsförderern realisierbar sei, antwortete er: "Das ist machbar, und die deutsche Landwirtschaft wird davon nicht untergehen." In letzter Konsequenz müsse diese Entscheidung aber auch vom Verbraucher mitgetragen werden.
Ein Beitrag von Stefanie Koop erschienen in der NOZ am 20.02.01